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LIFE

REHA AUF BALKONIEN

Gehört ihr auch zu den Menschen, die Wärme und Sonne lieben? Ich für meinen Teil kann gar nicht genug davon bekommen. Wenn sich der Sommer, wie dieses Jahr, bereits im Mai mit Rekord verdächtigen Temperaturen einstellt, ist meine kleine Welt in Ordnung. Na ja, fast. Wäre da nicht die Sache mit meinen Füßen.

Ich hatte vor 6 Wochen eine beidseitige Fuß-OP und versuche seitdem, wieder laufen zu lernen. Der Grund für die OP war Arthrose in den großen Zehen. Hätte mir das früher jemand erzählt, wäre ich in schallendes Gelächter ausgebrochen und hätte es für einen Scherz gehalten - Arthrose im großen Zeh... hi, hi. Ist aber nicht lustig, gar nicht lustig.

... auf Händen getragen.

Im Vorgespräch zur OP hörte sich das nach einer Kleinigkeit an; 10 Tage, danach wäre ich wieder auf der Baustelle. Gleich nach der OP ging es mir auch blendend, wie vom Arzt vorhergesagt. Was er nicht erwähnt hatte, man fühlte sich nur deshalb so gut und fit, weil die Anästhetika noch wirkten. Das sah dann ganz anders aus, als ich wieder zuhause war und „nur mehr“ die Schmerzmittel hatte. Lasst es mich so zusammenfassen, in den ersten paar Tagen zuhause musste mich mein Liebster buchstäblich auf Händen tragen, ob er wollte oder nicht.

In dieser Zeit habe ich die sprießenden Pflanzen auf unserer Terrasse nur vom Sofa aus betrachtet. Nach einer Woche wurde der Verband heruntergenommen und die ca. 10cm langen Narben durch große Pflaster abgedeckt. Ab dann konnte ich in den orthopädischen Schuhen in der Wohnung tatsächlich schon ein bisschen gehen. Das war eine unglaubliche Erleichterung. Man kann sich das vorher gar nicht so recht vorstellen, wie das ist, wenn man nicht richtig gehen kann. Man überlegt sich bei den rudimentärsten Bedürfnissen, ob sie nicht doch noch ein bisschen warten konnten. Ich verließ mein neues Headquarter auf dem Sofa generell nur in äußersten Notfällen und dann habe ich versucht, auf dem Weg alles gleich mitzunehmen, was ich die nächsten Stunden über brauchte. Mann, ich kann euch sagen, man wird so was von effizient, wenn jeder Schritt weh tut. Man überlegt sich quasi schon beim Frühstück, wie man mit möglichst wenigen Schritten bis zum Pyjama abends kommt.

Physiotherapeuten und andere Unwegsamkeiten...

Nach eineinhalb Wochen musste ich zum ersten Mal zur Physiotherapeutin. Ich hätte schwören können, wenn man an ihrem Türschild ein bisschen herumgepullt hätte, wäre darunter etwas ganz anderes zutage gekommen - „Folterknecht“. Meine Annahme, diese Berufsgruppe hätte im späten Mittelalter ihre Daseinsberechtigung verloren, habe ich seitdem grundlegend revidiert. Aber ich muss zur Ehrenrettung sagen, dass die Quälerei wirklich hilft. Ok, das wird einem erst dann bewusst, wenn der Schmerz wieder nachlässt. Aber es trägt danach doch erheblich zu einer zunehmenden Mobilität bei.

Nach 2 Wochen war an „auf der Baustelle stehen“ noch immer nicht im Traum zu denken. Ich konnte gerade mal mit Müllsäcken um die Füße, damit die Pflaster nicht durchnässt wurden, selbständig in die Badewanne steigen und mich wieder richtig duschen. Deshalb ließ meine Begeisterung auch zu wünschen übrig, als mein Liebster zu einem schon lange davor gebuchten 2-monatigen Management-Training ins Ausland aufbrechen musste. Half aber nichts, ab da war ich sozusagen Single-Patientin.

Man sollte meinen, es wäre nicht so schwierig, alleine zurechtzukommen, wenn man zumindest wieder ein bisschen gehen kann. Aber es gibt selbst zuhause Hindernisse, an die man nicht gleich denkt. Wäschewaschen zum Beispiel. Das macht ja bequemerweise die Waschmaschine. Aber wie kommt man an die Wäschespinne, wenn man nicht Stiegen steigen kann und sich diese im oberen Geschoß auf der Galerie befindet? Antwort – gar nicht, man wartet bis Besuch kommt und hängt die Wäsche in der Zwischenzeit über Badewanne und Handtuchheizkörper auf. Selbst Bettwäsche, die sich im obersten Regal des Schrankes befindet, mutiert zu einem beinahe unüberwindbaren Hindernis, das dank Besenstils dann doch bezwungen werden konnte. Dass Freunde und restliche Familie von Nöten waren, um mich regelmäßig mit Lebensmitteln zu versorgen, könnt ihr euch sicher denken.

... Urban Gardening als Therapie.

Ich bin jedenfalls wirklich froh, eine begrünte Oase direkt vor unserem Wohnzimmer zu haben. Wenn man den ganzen Tag mehr oder weniger nur herumsitzen kann, tut so ein bisschen Urlaubsfeeling unter dem Sonnenschirm mit dieser üppigen Blütenpracht schon gut. Obwohl ich fürchte, die Bewohner der Nachbar-Terrasse halten mich inzwischen für einen kleinen Nerd. Ich sitze mit den mittlerweile zu einem unabdingbaren Bestandteil meiner Schuhkollektion gewordenen Plastikmüllsäcken um die Füße - damit kein Schmutz in die Wunden kommt – auf dem Liegestuhl, mit einer Tasse Kaffee für den Genuss, einem Glas Cola für den Kreislauf – Bewegen ist ja Luxus – und herrlich erfrischenden Cool Packs auf den Füßen, also auf den Plastiksackerln genau genommen, und genieße den Sommer. Jemand, der den Hintergrund nicht kennt, wird sich berechtigt fragen, ob ich nicht vielleicht einen Sonnenstich abbekommen habe, dass ich, anstatt einfach die Socken auszuziehen und auf die hitzetreibenden Plastiksackerl zu verzichten, in voller Montur draußen sitze und dann eisgekühlte Cool Packs auf die heißen Pfoten lege. Aber damit muss ich jetzt wohl leben.

Ihr fragt euch vielleicht, warum ich immer noch zuhause herumsitze? Weil nach 4 Wochen der Arzt festgestellt hatte, dass die angeblich selbstauflösenden OP-Fäden doch nicht selbstauflösend waren und herausgeschnitten werden mussten. Danach wieder ein paar Tage warten, bis alles verheilt war, und dann ein neuerlicher Versuch, mit den orthopädischen Schuhen eine kleinere Runde außer Haus spazieren zu gehen. Nachdem ich aber keine Pflaster mehr tragen sollte, damit die Füße sich wieder an Schuhe gewöhnen konnten, habe ich mir dabei auf einer Seite die Narbe wieder aufgescheuert. Und jetzt kann ich auf diesem Fuß so lange keinen Schuh anziehen, bis alles verheilt ist und der Schorf sich von selbst gelöst hat.

Stylische Momente...

Wobei, dringende Kundentermine erledige ich mittlerweile in meinem ganz persönlichen Street-Look: Jeans mit weiten, aufgekrempelte Hosenbeinen, auf einem Fuß die orthopädische, schwarze Sandale mit weißem Söckchen, auf dem anderen weißes Söckchen mit grauem Filzhausschuh (scheuert nicht) und darüber das obligate gelbe Plastikmüllsackerl. Quasi eine Mischung aus deutschem Touristen auf Mallorca (sorry liebe Nachbarn) und knalligem Trash-Style mit Nuancen von Clochard. Unser Kunde hatte es vor ein paar Tagen sicher nur seiner guten Erziehung zu verdanken, dass er sein Entsetzen über meinen Anblick sofort wieder unter Kontrolle bekam.

Ich denke aber, in ein paar Tagen kann ich zumindest mit den orthopädischen Schuhen wieder einigermaßen normal gehen und mir vielleicht auch bald bequeme Sneaker kaufen. Selbst das Schuhe Kaufen ist nicht so einfach, wie man vielleicht denkt, wenn der Laden mit den Spezialschuhen in einer Fußgängerzone liegt...

... was alles "geht" oder nicht.

Aber etwas Gutes hat die ganze Sache: so intensiv wie heuer habe ich unsere Terrasse noch nie genutzt und ich bin wirklich froh, dass ich ausgerechnet dieses Jahr nicht nur Zierpflanzen sondern auch Kräuter und sogar Erdbeeren und Himbeeren angesetzt habe. Und, by the way, die ersten Früchte muss ich jetzt auch nicht teilen ☺ ☺

In diesem Sinne, achtet einmal darauf, wie viel ihr den ganzen Tag herumgeht und wie selbstverständlich das alles ist. Und dann tut euren Füßen einfach einmal etwas Gutes. Sie sind es, die uns einen „ganz normalen“ Alltag ermöglichen. Das merkt man aber erst, wenn es plötzlich nicht mehr geht.

Habt einen schönen, leichtfüssigen Sommer, ihr Lieben!

Servus, ciao-ciao und baba, eure Lena.

4 comments
  1. i.looxs Designallerlei
    i.looxs Designallerlei

    Vielen Dank, liebe Alex! Hab eine schöne Woche!

    Liebe Grüße,
    Lena

  2. Alexandra

    Hallo Lena,

    schön von dir zu lesen. Weiterhin gute Besserung.

    Liebe Grüße
    Alexandra

  3. i.looxs Designallerlei
    i.looxs Designallerlei

    Hallo Edgar,
    danke dir! Ich freue mich auf die Zeit, wenn ich sonntags auch wieder spazieren gehen kann 🙂
    Hab einen schönen Abend und verwöhn deine Beine!
    Lieben Gruß,
    Lena

  4. Edgar Himbeer

    HI Lena,

    schön wieder einen Blog von Dir zu lesen.

    Die Erlebnisse Deiner Hallux OP klingen erschreckend. Wenn man sich nicht selbst helfen kann, nicht wirklich gehen kann und wochenlang jeden Schritt planen muss, das Leben bekommt dann sichtbar neue Nuancen.

    Die Bilder Deiner Grünoase sind wunderschön und die herrlichen Beeren versüssen Dir sicher die Tage. Es ist einfach schön das dichte Grün und die herrlichen Blüten auf dem eigenen Balkon wahrzunehmen. Was für phantastische Photos!

    Angeregt durch Deinen Bericht tue ich meinen Beine heute Abend wieder mal was Gutes. Und morgen ist dann ein langer Spaziergang im Sonnenschein drin.

    Ich wünsche Dir gute Besserung und dass Du bald wieder auf den Beinen bist!

    Edgar

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