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DESIGN

KLEINE WOHNUNGEN GESCHICKT EINRICHTEN – Teil 3 „Das passende Drumherum“

Hallo, da bin ich wieder mit Teil 3 meiner Tipps, woran man beim Einrichten von kleinen Wohnungen denken sollte. Der erste Schritt beim Einrichten ist, wie in Teil 1 beschrieben, eine gute Planung und ein durchdachtes Raumkonzept. Auf diesem aufbauend beginnt dann die Suche nach den richtigen Möbeln, also „richtig“ im Sinne von zu euren Wünschen, Vorstellungen und eurem Geschmack passend. Das war Thema in Teil 2.

Heute möchte ich ein paar weitere Ideen und Erfahrungen aus meinem Berufsalltag einbringen, sozusagen das passende Drumherum für´s Einrichten von kleinen Wohnungen.

Höhe nutzen, aber gewusst wo

Ihr habt es sicher schon oft gehört und auch der normale Hausverstand sagt uns, dass man gerade in kleinen Wohnungen die volle Raumhöhe nutzen soll. Das gilt vor allem für Stauraum. Warum? Weil man die luftigen Höhen für solche Dinge verwenden kann, die man nicht jeden Tag benötigt.

Aber Vorsicht: wenn ihr in einer kleinen Wohnung alle Wände ringsum bis an die Decke mit Schränken und Regalen verbaut, werdet ihr mehr den Eindruck eines Selfstorage-Käfigs haben, denn euch wohl zu fühlen. Besser ist es, wenn ihr Raum hohe Möbel in eurer Stauraum-Zone unterbringt, im Rest der Wohnung aber nur mehr halbhohe bis niedrige Möbel verwendet. Wenn ihr euch unter diesem Aspekt meine beiden Möblierungsbeispiele aus Teil 1 anseht, werdet ihr bemerken, dass nur die Stauraum-Zone Raum hoch möbliert ist, die Küchenzeile an der Wand noch Oberschränke hat, aber sonst alles auf einer Arbeitshöhe von 90cm (Küche) bzw. 75cm (Ess- & Schreibtisch) und der Rest niedriger ist. Das schafft den Eindruck von Großzügigkeit und Platz. Umso niedriger Möbel sind, umso luftiger wirkt euer Raum.

Fotos links von Annaleena Blogspot, Bild rechts von Blog Tagesanzeiger

Für mich persönlich ist Luftigkeit und Großzügigkeit besonders wichtig in der Raumwirkung. Das Maß, was jemand als luftig oder vollgestopft empfindet, ist aber eben sehr individuell. Was mir gefällt, empfinden andere vielleicht als leer oder kühl. Da hat jeder seine Wohlfühlzone und sollte diese für sich auch definieren.

Berücksichtigen sollte man aber jedenfalls, dass möglichst einheitliche Höhen pro Funktionszone bei der Möblierung in der Regel als angenehmer empfunden werden, als ständig springende Höhen.

Grenze zwischen Luftigkeit und Chaos meistern

Ein Highlight, auch unter Interior Designern, ist die Frage, ob man besser offene Regale oder geschlossene Möbel für kleine Wohnungen verwenden soll. Hier prallen Philosophien aufeinander; außerdem muss man sagen, es kommt darauf an...

Ich persönlich finde geschlossene Schränke oder Sideboards besser, wenn es um die Schaffung von möglichst viel Stauraum geht. Zum einen verstauben die Sachen darin weniger rasch, zum anderen wirkt der Raum aufgeräumter und ruhiger.

Zur Raumteilung ist aber beispielsweise der Einsatz eines offenen Regals ratsamer. Dieses kann durchaus auch Raum hoch sein. Nur sollte man es dann nur etwa im unteren Drittel befüllen und nach oben hin nur mehr wenige Ziergegenstände oder Blumen, also dekorative Dinge darin abstellen. Damit auch der untere Bereich ruhig und ordentlich wirkt, kann man schicke Körbe, Kartons oder sonstige Zierboxen verwenden.

Vielleicht kann man das so formulieren: überall dort, wo man durch offene Regale zusätzliche Blickachsen öffnen kann, sollten diese verwendet werden. Dieser Blick sollte dann aber nicht durch weltmeisterlich hineingestopften Kram getrübt werden.

Sehr schön und funktional sind jedenfalls einzelne Wandregale oder Bildleisten als Zierelement.

Ein heller Fußboden ist eine neutrale Basis für alle Möbel

Stark unterschätzt wird in der Regel die Auswirkung des Fußbodens auf den Gesamteindruck. Im Grunde gilt dasselbe für Fußböden wie für Farben auch: umso heller sie sind, umso größer und freundlicher wirkt der Raum und umso einfacher ist es, Möbel dazu zu kombinieren.

Das Argument, man sollte sich möglichst Böden aussuchen, auf denen man den Schmutz nicht sieht, halte ich persönlich für nachrangig. Ich latsche normalerweise in meinen eigenen 4-Wänden nicht mit vor Schmutz triefenden Schuhen herum. Und wenn doch, wische ich halt einmal öfter das Parkett. Lieber das, als einen mausgrauen Boden, über den ich mich jedes Mal ärgere, wenn ich ihn sehe - also jeden Tag.

Interior Design & Fotos von Elisabeth Heier (Sofa, Regal, Sideboard)

Aber das muss jeder für sich selbst entscheiden. Für die Möbelauswahl erleichtert man sich das Leben jedenfalls enorm, wenn der Fußboden möglichst neutral ist. Und das ist er, wenn er sehr hell ist, eine dezente Struktur oder Maserung hat oder wenn er sonst genau ins Farbschema der Wohnung passt.

Wenn Ihr den Fußboden nicht oder nur mit überproportionalem Aufwand ändern könnt, versucht es mit einem schönen Teppich, der in Farbe, Form und Struktur zu eurer Einrichtung passt. Erst unlängst haben Freunde auf ihren 50er-Jahre-Stäbchenparkett im Wohnraum einen großen, cremefarbenen Hochflor-Teppich gelegt und damit das Problem der rivalisierenden Boden- und Sofafarben gelöst.

Helle Farben lassen Räume größer wirken

Ein harmonisches Farbkonzept ist generell in kleinen Wohnungen ein Thema, dem man entsprechende Aufmerksamkeit schenken sollte. Wie auch schon bei den Möbeln in Teil 2 erwähnt, lassen helle Farben an Möbeln, Wänden und Accessoires einen Raum optisch größer wirken.

Nicht jeder mag viel Weiß. Aber als Grundton hat Weiß oder ein warmer Creme-Ton schon deutlich Vorteile. Wenn Wände und größere Möbelstücke weiß sind, können Teppiche, Leuchten, Couchtische, etc. in anderen Farben einfach kombiniert werden, ohne dass der Raum überladen wirkt. Man hat auch die Möglichkeit, mit wenig Aufwand und geringem Geld einen neuen Look für sein Zuhause zu kreieren, indem man beispielsweise einfach die Farbe eines Plaid, einer Kerze oder von Kissen ändert. Hat man einen bestimmten Farbton an der Wand oder beim Sofa, hat man sich auf ein fixes Farbspektrum festgelegt. Natürlich kann man auch hier neue Farben zum Kombinieren finden, es wird nur schwieriger.

Interior Design & Foto von Stylizimo Nina Holst

Ich persönlich kombiniere zu Weiß sehr gerne helle Grau- und Braungrautöne, vielleicht mit ein bisschen Holz oder auch einem Tupfen dunklem Braun. Aber Geschmäcker sind bekanntlich verschieden. Und wenn es wo definitiv kein „richtig“ oder „falsch“ gibt, dann hier. Alles ist erlaubt, was euch gefällt. Wenn ihr nicht sicher seid, holt euch aus der Farbenabteilung im Baumarkt Farbkarten und stellt sie zu einer Kollage zusammen. Dann seht ihr sofort, ob diese Farben für euer Auge und euren Geschmack harmonieren oder nicht.

Mein Tipp ist, sucht euch einen Grundton und ein, zwei weitere dazu passende Farben aus und beschränkt euch auf diese. Ein Zuviel an Farben schlägt von bunt rasch in zusammengestoppelt um und aus dem beabsichtigten freundlichen Eindruck wird eine unordentliche, beengte Raumwirkung.

Spiegel vergrößern den Raum

Mehr Luftigkeit kann man hingegen durch einen Trick in kleine Wohnungen bringen. Vor allem dort, wo man Raum hohe Schränke angeordnet hat, öffnet ein Spiegel – als Schranktüre – den begrenzten Raum und vermittelt den Eindruck von mehr Größe. Dazu ist ein Spiegel auch noch praktisch als Ergänzung zur Garderobe und verteilt das Licht zusätzlich im Raum.

Der Spiegel vergrößert optisch den schmalen Eingang

Wie meistens im Leben entscheidet aber auch hier das Maß der Dinge über Gelingen oder nicht. Eine Spiegeltüre bringt optisch mehr Großzügigkeit, mehrere Spiegeltüren verwirren das Auge des Betrachters und verursachen ein meist nur unbewusst wahrgenommenes Unwohlsein. Frei nach Watzlawick gilt auch hier: mehr desselben ist nicht immer besser.

Wie viel Flexibilität brauchen Möbel

Einen wesentlichen Einfluss auf den Komfort einer kleinen Wohnungen hat das Thema Flexibilität. Dazu kennt ihr sicher die beiden Schlagworte:

• multi-funktionale Nutzung
• Mobilität

Multi-funktional nutzbare Möbel helfen schlicht, die Anzahl an notwendigen Möbelstücken zu reduzieren und damit einen Raum großzügiger wirken zu lassen. Also grundsätzlich - umso mehr multi-funktional, umso besser. Ich bin ein absoluter Fan von Möbelelementen, die man zu unterschiedlichen Tätigkeiten verwenden kann. Zum Beispiel einfache U-Elemente, die man als Nachtkästchen oder Couchtisch verwenden kann und die bei Besuch auch als Sitzbänkchen fungieren.

Wenn es aber darum geht, beispielsweise einen Schreibtisch gleichzeitig als Esstisch zu verwenden, um Platz zu sparen, kommt es sehr auf die jeweilige Nutzungsart und -häufigkeit sowie auf den persönlichen Faulheitsfaktor (siehe Teil 1) an. Wenn man nur ab und zu abends mit seinem Laptop arbeitet, wäre es Platzvergeudung, dafür eigens einen Arbeitsplatz einzurichten. Wenn man aber jeden Tag über Stunden dort arbeitet und Ordner, Bücher und sonstige Unterlagen dazu benötigt, sollte man das tägliche Wegräumen zum Essen eventuell überdenken.

Also Multi-Funktionalität ist generell ein Hit. Man muss nur für sich individuell die Grenzen zum Machbaren und Sinnvollen definieren.

Sideboard auf Rollen für Mobilität in kleinen Räumen

Uneingeschränkt würde ich jedoch das Thema Mobilität unterschreiben. Fast jedes Möbelstück, das sich einfach bewegen lässt, ist von Vorteil. Ein Schreibtisch auf Rädern, den man einfach an den Esstisch ran schieben kann, wenn Gäste kommen, ist Goldes wert; dasselbe gilt für Schreibtischstühle, Couchtische, Regale oder Lowboards. Rollende Möbel passen sich nicht nur rasch an wechselnde Nutzeranforderungen an, sie bieten auch die Möglichkeit, dass man sein Raumkonzept nach einiger Zeit einfach umstellen kann – und das ganz ohne Möbelpacker oder Hilfe von Freunden.

Besonders hilfreich für wenig Platz, aber hohen Komfort sind Möbel, die ganz oder teilweise verschwinden, wenn sie nicht gebraucht werden. Klappstühle z.B. sind wahre Platzsparmeister und dazu mittlerweile auch noch richtig schick. Bei einigen Herstellern gibt es diese im Duo mit mehr oder weniger einklappbaren Tischen, sodass auch die Partylöwen unter euch entsprechendes Equipment im Mini-Apartment buchstäblich aus dem Schrank zaubern können.

...spezielle multi-funktionale Einrichtungsgegenstände.

Selbst für den Fall, dass ihr eine Großfamilie ab und zu einmal verköstigen wollt, gibt es Tische, die im Alltag als kleiner Konsolentisch dienen, im Fall der Fälle dann aber bis zu 2,5m lang werden können. Diese kleinen, konstruktiven Wunder kosten allerdings auch ein bisschen mehr. Mehr zu solchen Möbeln stelle ich euch einmal in einem speziellen Beitrag vor.

Das waren nun einige weitere Themen, die man beim Einrichten von kleinen Wohnungen beachten sollte. Aber grundsätzlich gilt dasselbe auch für größere Wohnungen. Mehr Platz verzeiht nur mehr Einrichtungs-Sünden. Deshalb nehmt euch Zeit, plant eure neue Einrichtung im Vorfeld, bevor ihr neue Möbel anschafft und stellt euch Moodsboards zusammen um zu sehen, wie die geplanten Farben und Materialien zusammen wirken. Dann kann eigentlich nichts mehr schiefgehen.

Ich hoffe, ich konnte euch ein paar Anregungen und vielleicht die eine oder andere Idee geben, die euch hilft, eure kleine Wohnung geschickt und aus eurer Sicht geschmackvoll einzurichten. Ich freue mich über jeden Kommentar von euch und, wenn ihr zu irgendeinem Punkt eine Frage habt, schreibt mir einfach.

In diesem Sinne verabschiede ich mich heute von euch. Bis zum nächsten Mal.

Servus, ciao-cioa und baba, eure Lena.

4 comments
  1. i.looxs Designallerlei
    i.looxs Designallerlei

    Hallo Syna,

    danke für deinen Tipp! Mit der passenden App kann man so ein Moodboard auch online zaubern.

    Lieben Gruß,
    Lena

  2. Avatar
    Syna

    Hi Lena,
    Hi Romana,

    Eure Vorschläge betreffend die Erstellung eines Moodboards waren für mich der kreative Beginn, den ich weiterentwickelt habe. In meinem Foto-Bearbeitungsprogramm am Computer lege ich die Fotos, die mir gefallen, so übereinander, dass das ausgeschnittenes Sofa fast perfekt auf dem Parkettboden steht und die Vorhänge vom dritten Bild sich perfekt in den Hintergrund platzieren. Wenn man sich ein bisschen mit der Perspektive spielt, kann man so ein fast perfektes Design für sein neues Zimmer virtuell am Computer entwickeln.

    Ich hatte viel Spaß dabei und wollte diesen Ratschlag an euch weitergeben. Vielen Dank noch mal für die Idee mit den Moodboards und ich freu mich schon auf weitere Vorschläge eurerseits.

    Best,
    Syna

  3. i.looxs Designallerlei
    i.looxs Designallerlei

    Hallo Romana,

    viel Spaß bei der Verwirklichung deines Wunsch-Wohnzimmers! So, wie du das angehst, wird sicher auch die Umsetzung gut gelingen!

    Lieben Gruß,
    Lena

  4. Avatar
    Romana

    Hi Lena,

    Vor mir liegen gerade drei Moodboards: dazu habe ich mir Stoffreste in meinen Wunschfarben Blau und Weiß besorgt, habe mir aus den Schöner Wohnen Zeitschriften die Bilder der Sofas ausgeschnitten, welche mir besonders gut gefallen, habe aus dem Bauhauskatalog die Parkett-Boden Bilder als Hintergrund ausgeschnitten und bin gerade dabei, mein Wohnzimmer endlich nach meinen Wünschen einzurichten. Zumindest mit einer perfekten Planungs – und Vorbereitungsphase.

    Ich wollte mich bei dir für deine Ratschläge und Anregungen bedanken, denn sonst hätte ich nie meine innere Hemmschwelle überwunden! Ich designe jetzt!

    Voller Begeisterung,
    Deine Romana

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