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DESIGN

KLEINE WOHNUNGEN GESCHICKT EINRICHTEN – Teil 2 „Die richtigen Möbel“

In Teil 1 habe ich euch meine persönliche Methode vorgestellt, wie man ein passendes Raumkonzept für eine kleine Wohnung entwickeln kann. Heute geht es im zweiten Schritt darum, dafür die „richtigen“ Möbel auszusuchen.

Aufgrund eurer Planung wisst ihr also an diesem Punkt, was euch besonders wichtig ist in eurer Wohnung, welche Bereiche ihr besonders oft nutzen werdet und worauf ihr eher verzichten könnt. Ihr habt die erforderlichen Möbel definiert und in einer Möblierungsskizze bestmöglich im Raum verteilt. Nachdem das „was“ also klar ist, kommen wir nun zum „wie“.

Eines möchte ich vorweg aber unbedingt noch zur Auswahl der „richtigen“ Möbel sagen: was „richtig“ ist, definiert sich einzig und alleine durch eure Anforderungen und euren Geschmack. Ein absolutes „richtig“, das für jeden gilt, gibt es nicht. Wenn ich also hier von „richtig“ spreche, meine ich das immer in Bezug auf „individuell von euch für euch festgelegt“.

Gut, das war mir wichtig, hier festgehalten zu haben. Dann kann´s jetzt losgehen.

Zuerst das große Ganze, dann das Detail

Damit euch nicht das klassisches Wiener Schicksal, wie von Helmut Qualtinger in „Der Halbwilde“ besungen, passiert – „...zwar hab ich ka Ahnung wo ich hinfahr, aber dafür bin i g'schwinder durt!“ (für alle nur Hochdeutsch-Könner: ich habe zwar keine Ahnung, wohin ich fahre, bin aber umso rascher dort) - solltet ihr euch vor der Möbelauswahl unbedingt überlegen, wie eure Wohnung in Summe aussehen soll, wenn sie fertig eingerichtet ist. Sonst habt ihr am Ende wunderschöne Möbelstücke ausgesucht, die auch größenmäßig stimmen, nur leider passen sie nicht zusammen. Das ist eine der häufigsten Ursachen, warum kleine Wohnungen unordentlich oder wie die viel zitierte Sardinenbüchse aussehen.

Daher ganz wichtig: sucht euch zuerst einen Einrichtungsstil aus, der euch gefällt und mit dem ihr euch über längere Zeit wohlfühlen könnt. Eine gute Möglichkeit, sich hier Ideen von Profis zu holen, sind die unzähligen On- & Offline-Magazine zum Thema Einrichten und Social Media-Plattformen wie Instagram oder Pinterest. Am besten sammelt ihr einige Fotos von Räumen oder Möbeln, die euch besonders gut gefallen, und analysiert im Anschluss, was diese Bilder gemeinsam haben und was genau euch daran gefällt. Das hört sich vielleicht ein bisschen over-done an, aber glaubt mir, es hilft. Meistens weiß man zwar schon ungefähr, welcher Einrichtungsstil einem gefällt. Aber wie man diesen in seine eigenen 4-Wände zaubern kann, hängt von einer Reihe von Details ab, die so eine „Bild-Analyse“ meist klar ergibt.

...Möbel-Mix will gelernt sein.

Mir gefällt zum Beispiel der skandinavische Stil sehr gut. Jeder von Euch hat jetzt sicher ein Bild vor Augen – und wetten, diese Bilder weichen bei jedem von uns ganz wesentlich voneinander ab? Weil es hunderte Varianten davon gibt, aber nur ein paar, die jedem von uns individuell gefallen. Ich mag beim skandinavischen Stil besonders ganz helle Böden, überwiegend weiße Möbel kombiniert mit Grautönen bei Stoffen und Teppichen, helles Eichenholz bei Regalen oder Beistelltischen als wärmenden Kontrast und ein paar schwarze Elemente, etwa bei Bilderrahmen oder Leuchten. Ihr seht schon, damit sind die wesentlichen Elemente eines Einrichtungsstils definiert.

Fotos von links nach rechts: HonestlyWTF, Freshideen und Contemporist

Schmökert also in den unendlichen Weiten des Internet und der Einrichtungs-Magazine und stellt euch sukzessive euren Lieblingseinrichtungsstil zusammen. Damit habt ihr dann den Masterplan.

PROPORTION ist das Gebot der Stunde

Was bei Immobilien die Lage, ist bei Möbeln die Proportion. Es gibt zierliche Möbelstücke, die sich optisch eher zurücknehmen, bis hin zu sehr ausladenden, raumgreifenden Exemplaren. Es ist nicht schwer zu erraten - zarte passen grundsätzlich besser in kleine Wohnungen.

Fotos von links nach rechts: dudes_dutch_design und Sofa Mingle By Lassen

Eine Grundregel, von der es aber Ausnahmen gibt. Zum Beispiel kann ein Ecksofa durchaus auch in ein Miniapartment passen, wenn die von euch dafür definierte Funktionszone groß genug ist. Entsprechend zarter und luftiger müssen dann aber die Möbel drum herum sein. Für so relativ gesehen große Solitär-Möbelstücke gilt aber die Daumenregel: je größer, desto niedriger. Ihr könnt also beispielsweise das oben zitierte, ausladende Ecksofa in euren Wohnbereich stellen. Dann sollte es aber eine sehr niedrige oder gar keine Rückenlehne haben. „Breit und hoch“ erschlägt optisch den Raum.

Helle Farben lassen den Raum größer wirken

Womit wir auch gleich beim Thema Farbe wären. Auch hier gilt grundsätzlich, dass helle Farben den Raum größer wirken lassen. Ich liebe Weiß als Grundton aber nicht nur deshalb, sondern auch weil man dazu problemlos andere Farben und viele Materialien kombinieren kann. Ohne dass das Zimmer dadurch optisch zu einem Trödelladen oder besagter Sardinenbüchse mutiert.

Aber auch gerade hier gilt – „richtig“ ist, was gefällt. Kleine Räume können auch ganz dunkel eingerichtet, sehr schön wirken. Das will allerdings gekonnt sein. Als Hilfestellung hier ein Tipp: verwendet nach Möglichkeit nur einen oder zwei zueinander passende, dunkle Farbtöne und zieht die bei Wänden, Möbel und Accessoires durch.

Foto via Pinterest

Dasselbe gilt für kräftige Farben, auch wenn sie heller sind. Ich hatte zum Beispiel in meiner Studienzeit eine knallrote Küche – rote Küchenschränke, rote Wände, weißer Fliesenboden mit schwarzen Fugen und auch alle Küchenutensilien, soweit sichtbar, in rot, schwarz oder weiß. Meine Mutter fand es schrecklich. Ich habe meine Mini-Küche geliebt. Und nur darum geht es - ihr müsst euch wohlfühlen. Ihr solltet aber überlegen, wie lange ihr die Möbel und damit die gewählten Farben voraussichtlich haben werdet. An kräftigen Farben sieht man sich schneller satt. Umso länger die Einrichtung also halten soll oder muss, umso neutraler solltet ihr die Farbgestaltung wählen.

Ihr seht schon - das Thema „die richtigen Möbel aussuchen“ hängt untrennbar mit einer durchgängigen Farbgebung insgesamt und dem passenden Material-Mix zusammen.

Material-Mix nur für Fortgeschrittene

Aber kommen wir zurück auf die Möbel. Auch das Material oder, besser gesagt, die sichtbare Oberfläche der Möbel trägt entscheidend zur Gesamtwirkung des Möbels im Raum bei. Mit stark strukturierten Oberflächen oder stark gemaserten Holzfurnieren wirken Möbel viel bulliger, auch bei völlig gleichen Maßen.

Das heißt nicht, dass ihr nicht auch ein Möbel mit Wenge- oder Zebrano-Optik in kleinen Wohnungen verwenden könnt. Bedenkt nur, dass dieses Möbelstück optisch viel Platz um sich herum benötigt, gerne also die erste Geige spielt und das restliche Orchester mit entsprechendem Abstand angeordnet werden sollte. Und nicht vergessen - es gibt immer nur eine erste Geige. Ergo, mehrere raumgreifende Möbelstücke in einer kleinen Wohnung zerstören die Raumsymphonie.

Foto von Stylizimoblog

Besonders empfehlenswert finde ich transparente Möbel, da wo sie zum Stil passen. Es gibt vor allem recht pfiffige Stühle, die durch ihre Transparenz durchaus größer in ihrer Abmessung sein können und immer noch zierlich im Raum wirken.

Elegante, schlichte Formen überlassen dir die Bühne

Ob ein Möbel optisch „aufträgt“, hängt auch maßgeblich von seiner Form ab. Schlichte Formen mit geraden Linien nehmen sich mehr zurück. Ausgefallene Formate oder hervorstehenden Ecken und Kanten sind nicht nur buchstäblich raumgreifend. Aber auch hier kann man sagen, bewusst eingesetzt kann ein solches Solitär-Stück eine wahre Augenweide sein. Herden tauglich sind diese Möbel grundsätzlich nicht und in kleinen Wohnungen schon gar nicht.

Foto & Schreibtisch Mamba von MDF Italia

Umso mehr sich ein Möbel in seiner Schlichtheit zurück nimmt, umso mehr Persönlichkeit von euch verträgt der Raum. Auf Fotos sehen von Architekten eingerichtete Räume deshalb oft so großzügig aus, weil noch nichts Persönliches herumliegt, keine bunten Bücher im Regal stehen und auch sonst keine Unordnung den minimalistischen Eindruck stört. Wenn ihr also zu den bewundernswerten Menschen gehört, die immer ordentlich aufgeräumt haben, könnt ihr euch schon das eine oder andere Raum greifende Möbel leisten. Wenn nicht, sollten die Möbel eher diese Schlichtheit und Zurückhaltung haben, die mehr „von euch“ verträgt.

Was das richtige Möbel ausmacht

Zusammengefasst sind hier nun noch einmal die aus meiner Sicht wichtigsten Kriterien, die das Prädikat „richtig“ für ein Möbel definieren:

• der gewählte Einrichtungsstil
• die Proportion (Größe der Möbel in Relation zum Raum)
• die zum Gesamtkonzept passende Farbe
• der sorgfältig ausgewählte Materialien-Mix
• die individuell passende Form

Ein Möbel ist also richtig, wenn es zu dem von euch ausgesuchten Einrichtungsstil passt und sich von seiner Proportion her entweder der kleinen Wohnung entsprechend zurücknimmt oder von euch eine Solitär-Stellung ergattert hat. Schön wirken eure Möbel auch nur dann, wenn sie farblich harmonieren und nicht miteinander und dem Rest der Wohnung konkurrieren. Ein paar wenige, bewusst ausgesuchte Materialien und schlichte Formen sind einfacher kombinierbar und sehen edel aus.

Ihr seht also, geschicktes Einrichten ist kein Mirakel. Man muss aber konsequent Prioritäten setzen und es gilt, einige Grundregeln zu beachten. Im Prinzip ist das wie bei uns Menschen auch: umso mehr Menschen auf engstem Raum miteinander leben müssen, umso besser müssen sie zueinander passen und umso mehr Rücksicht müssen sie aufeinander nehmen. Dasselbe gilt auch für Möbel in kleinen Wohnungen.

Für heute hoffe ich, dass ich euch ein paar Zusammenhänge veranschaulichen und Ideen geben konnte. Im dritten Teil geht es dann um weitere Faktoren, die auf die Gesamtraumwirkung maßgeblichen Einfluss haben.

Wenn ihr gelungene Beispiele von eurer Wohnung habt, freue ich mich, wenn ihr diese hier postet.

In diesem Sinne, habt viel Spaß beim Möbelaussuchen!

Servus, ciao-cioa und baba, eure Lena.

4 comments
  1. i.looxs Designallerlei
    i.looxs Designallerlei

    Hallo Hanna,
    außergewöhnliche Stücke zu finden, gehört zu meinem Beruf. Um auf dem aktuellen Stand zu bleiben, habe ich Newsletter von diversen Herstellerfirmen abonniert, die mir gefallen. Wenn ich konkrete Möbelstücke suche, schau ich auch auf Architektur-Websites wie http://www.architonic.com oder http://www.stylepark.com. Dort gibt es eine große Auswahl.
    Liebe Grüße, Lena

  2. i.looxs Designallerlei
    i.looxs Designallerlei

    Hallo Sesan,
    vielleicht könnt ihr euch in der Mitte treffen bei der Größe des Sofas, dafür eine helle Bezugfarbe wählen und einen zarten Tisch. Auf Instagram oder ähnlichen Online-Medien findest du sicher schöne Einrichtungsbeispiele mit zierlichen Möbeln, die du deinem Partner zeigen kannst. Viel Spaß beim Möbel-Shoppen!
    Liebe Grüße, Lena

  3. Avatar
    Hanna

    Hi Lena,

    der Schreibtisch ist absolut phantastisch! Schlank und elegant, wie er sich an die Wand schmiegt! Wie findest Du solche Stücke, ich laufe seit Wochen die Einrichtungsstudios ab aber so etwas Elegantes habe ich einfach noch nicht gefunden! Wie finde ich so außergewöhnliche Stücke, denn in den Wohnungszeitschriften finde ich nur immer die selben Sachen.

    Hast du eine Empfehlung für mich?

    Deine
    Hanna

  4. Avatar
    Sesan

    Hi Lena,

    Zierliche Möbel passen besser in kleine Wohnungen. Du hast absolut recht. Ich sehe das genauso, nur mein Partner steht auf massive Sofa mit einen extremschweren Holztisch. Das passt so gar nicht!
    Hast du einen Ratschlag, wie ich ihm zeigen kann, was ich meine? Seine Eltern haben auch so ein Monster daheim herumstehen!

    Toller Blog!

    Dein

    Sesan

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