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TRAVEL

KAPSTADT IM JAZZ RHYTHMUS

Ich möchte euch heute auf eine Reise in die Kap-Region Südafrikas mitnehmen. Für mich ist die schönste Reisezeit Ende März/Anfang April, weil dann nicht nur eine wunderschöne Spätsommerstimmung herrscht, sondern alljährlich zu dieser Zeit das International Cape Town Jazz Festival stattfindet, ein Ereignis, bei dem die ganze Stadt im afrikanischen Rhythmus swingt, tanzt und lacht. Wenn ihr zu dieser Zeit Urlaub machen könnt, solltet ihr euch das nicht entgehen lassen. Falls nicht - die Kap-Region ist zu jeder anderen Jahreszeit auch allemal eine Reise wert.

Als ich vor einigen Jahren das erste Mal nach Südafrika reiste, kannte ich alte Geschichten über Apartheid, Kriminalität, Analphabetismus und Armut. Anlässlich der Fußball WM hatte ich noch einige Informationen aus dem Fernsehen aufgeschnappt. And that´s about it, was ich über dieses Land wusste. Heute kann ich euch sagen, es ist ein lebhaftes, buntes, vielfältiges Land und Kapstadt zwar nicht seine Hauptstadt, aber eine der quirligsten, schönsten Städte, die ich kenne.

Kapstadt Hafen mit Blick zum Tafelberg

Im April gibt es üblicherweise viel Sonne und warme Temperaturen um die 25°C bis 30°C tagsüber, aber kühle Abende und mitunter kalte Nächte, wenn die ersten Anzeichen von Herbst sich breit machen. Man sollte also zwiebelschalenmäßig angezogen sein, was das Reisegepäck vielleicht ein bisschen üppiger macht.

Übernachten kann man entweder in Kapstadt direkt, wo es viele ausgesprochen hübsche und auch saubere Unterkünfte gibt, die absolut unserem gewohnten Standard entsprechen – oft aber mit sehr viel mehr Liebe zum Design eingerichtet sind. Oder in der nahe gelegenen Weinregion.

Weinberge rund um Stellenbosch

Winzerhaus in Stellenbosch

WEINBAU UM STELLENBOSCH UND PAARL

Wir hatten uns letztes Jahr für eine kleine Lodge namens Orange Ville in Stellenbosch entschieden. Bereits auf der Fahrt vom Flughafen in Kapstadt nach Stellenbosch bekommt man einen ersten Eindruck von der Vielfalt und Schönheit dieses Landes. Aber man fährt auch vorbei an Homelands, die im ersten Moment erschreckend wirkten. Einfache Holz- oder Blechhütten, dicht gedrängt, mit kleinen Plätzen dazwischen, wo Kinder Fußball spielen. Trotzdem lachen die Menschen, bunte Wäsche hängt an langen Leinen hinter den Hütten, Hunde trotten müde durch die Gassen und beobachten die Kinder beim Spiel. Eine erste von vielen Facetten dieses Landes.

Eine andere sind die herrschaftlichen Häuser in und um Stellenbosch, dem Herzen der südafrikanischen Weinregion. Wunderschöne, alte Winzerhöfe aus dem 18. und 19. Jahrhundert, mit einer üppigen Blütenpracht in Blumentrögen an Fenstern und in den Einfahrten. Das Örtchen Stellenbosch selbst ist schlicht entzückend – entlang der Hauptstraße gibt es viele kleine Restaurants, Kunst- und Handwerksläden und natürlich Verkostungsmöglichkeiten von Weinen der umliegenden Winzer.

Weingut Plaisir de Merle

Einige der Weinbaubetriebe in der Kap-Region werden von Österreichern oder Deutschen geführt, ebenso wie einige ausgezeichnete Lodges. Auch unsere wurde von einem deutschen Pärchen geführt und war sehr geschmackvoll eingerichtet. Einen Link zum Guesthouse findet ihr hier.

Gastgarten Weingut Seidelberg

Afrikaans Language Monument bei Paarl

Es gibt unzählige Winzer in diesem Weinbaugebiet: von solchen, die gute aber einfache Weine keltern, bis hin zu Spitzenwinzern, die ganz oben in der Falstaff-Rangordnung rangieren. Mein persönlicher Lieblingswinzer ist Neethlingshof Estate in Stellenbosch, in dessen Pinotage ich mich schlicht verliebt habe. Einen Besuch ist aber auch das ehemalige Weingut Seidelberg, heute Teil der Fairview Estates, in Paarl wert. Es werden gute Weine mit unterschiedlichen Charakteren angeboten, die man auf einer wunderschönen Terrasse mit Blick auf die umgebenden Weinberge verkosten kann. Was ihr keinesfalls versäumen solltet, ist ein Besuch des hauseigenen Restaurants, wo traditionell afrikanische Gerichte unter schattenspendenden, uralten Eichen serviert werden. Ein wahrer Genuss. Bringt Zeit und einen Chauffeur mit; die zulässige Alkohol-Grenze liegt bei 0,5 Promille.

PULSIERENDES LEBEN IN KAPSTADT

Für Kapstadt solltet ihr zumindest einen oder zwei ganze Tage einplanen. Wir haben unseren Rundgang am Hafen, an der Waterkant, begonnen. Hier herrscht schrilles Leben, ein Restaurant grenzt an das andere, weiß strahlende Yachten liegen am Kai und, wie überall auf der Welt am Meer, gibt es tausende kreischende Möwen, die stets auf einen guten Happen auf einem der Gästeteller aus sind. Also Achtung.

De Waterkant in Kapstadt

Auch wir haben uns an einen der vielen einladenden Tische gesetzt, Seafood und einen ausgezeichneten lokalen Chardonnay bestellt und Sonne, Wärme und das bunte, aber nicht hektische Treiben genossen. Hektik ist scheinbar generell ein Fremdwort in dieser quirligen Stadt. Hier ist alles in Bewegung, aber es ist mehr ein Soul-Takt, energisch, frisch, voller Lebensfreude, aber ohne dieses „es muss und es muss sofort“, das wir Westeuropäer nur allzu gut kennen.

Jam Session beim Hafen

Ende März/Anfang April eines jeden Jahres spielen, wie gesagt, an den kleinen Plätzen nahe beim Hafen unzählige Jazz-Gruppen, die alle Teil des großen Jazz-Festivals sind. Man sieht immer wieder, dass sich Musiker einfach spontan zu einer kleinen Jam-Session zusammensetzen. Musik und Rhythmus liegen zu dieser Zeit buchstäblich in der Luft. Und an einem Nachmittag - dieses Jahr wird es der 29.03.2017 sein - findet das mittlerweile legendäre Free Community Concert statt – ein riesiges Open-Air Jazz-Konzert mit internationalen Jazz-Größen und freiem Eintritt am Green Market Square. Aber dabei sollte man Massenveranstaltungen mögen, denn mittlerweile sind tausende Einheimische und Touristen live dabei.

Nelson Mandela Platz

Wenn man schon in Kapstadt ist, kommt man natürlich um den Nelson Mandela Square nicht herum. Die weltberühmte Statue des Freiheitskämpfers und späteren Präsidenten von Südafrika findet man in jedem Reiseführer, ebenso wie das anschließende Sandton City Shopping Center, quasi der Rodeo Drive von Südafrika.

Blau wie Himmel und Meer am Sandton City Square

Long Street bis Clifton Bay

Ich schlendere in Kapstadt aber besonders gerne durch die unzähligen Galerien mit zeitgenössischer, afrikanischer Kunst. Am bekanntesten ist wohl die iArt Gallery in der Loop Street. Mir persönlich gefällt aber die Association for Visual Arts (AVA) in der Church Street am besten. Sie ist die älteste Galerie und bietet bis zu vier Ausstellungen moderner, südafrikanischer Kunst parallel. Außerdem kann man die Werke direkt auch kaufen.

Unweit der AVA liegt in der Long Street 178 mein absolutes Lieblingslokal in Kapstadt, das Mama Africa. Ich finde es nicht nur deshalb so faszinierend, weil es vor mehr als zwei Jahrzehnten von der ersten schwarzen Frau in Südafrika eröffnet worden war. Es ist auch einfach ein urgemütliches Lokal mit hölzernen Stühlen und Tischen, Life-Musik, günstigen Getränken und einem wahrlich köstlichen, landestypischen Essen. Außerdem finde ich, man kann nicht in Südafrika gewesen sein, ohne einmal ein Bobotie gegessen zu haben, eine Art afrikanische Lasagne ohne Nudel, dafür mit viel Gemüse und einer Art Bechamel-Haube oben drauf. Und Mama´s Bobotie ist das Allerbeste.

Skulpturen im Botanischen Garten in Kapstadt

Im Hintergrund Kapstadts thront der Tafelberg; ruhig, mächtig, als Gegensatz zum bunten Treiben unten am Hafen. Wir hatten Glück bei unserem Besuch, an diesem Tag präsentierte er sich in voller Größe in der Sonne, hatte nicht „gedeckt“, wie die Einheimischen sagen, also keinen Wolkenumhang. Die Seilbahnfahrt auf sein Plateau hatten wir uns diesmal erspart, obwohl der Blick wirklich traumhaft ist. Stattdessen haben wir eine ausgiebige Wanderung im Botanischen Garten gemacht. Neben vielen endemischen Pflanzenarten und Blumen gibt es dazwischen versteckt immer wieder neue Skulpturen und Statuen zu entdecken. Und der Blick von dieser Seite des Tafelbergs ist um nichts weniger schön.

Ausflug nach Muizenberg Beach

FAHRT ZUM KAP DER GUTEN HOFFNUNG

Ein besonderes Erlebnis ist die Fahrt zum Kap der Guten Hoffnung. Am Weg dorthin ist es keine Seltenheit, dass sich sonnige, wolkenlose Abschnitte mit Regionen, in denen man die Hand vor den Augen wegen des Küstennebels nicht sieht, abwechseln. Im oberen Teil schlängelt man sich eine Bergstraße hinauf zum Aussichtspunkt, durchbricht dann normalerweise die Nebeldecke und steht in der Sonne. Ich finde den Blick einfach wunderschön - vor einem nur der Horizont, hinter dem irgendwann der Südpol liegt. Es ist natürlich nicht wirklich das südlichste Kap der Welt; aber es ist der südlichste Punkt, an dem ich jemals gestanden habe.

Anfahrt zum Kap der Guten Hoffnung

Wenn ihr Gelegenheit dazu habt, nehmt euch eine schöne Flasche Wein und ein paar Gläser mit und stoßt auf diesen magischen Ort zur Erinnerung an. Wir haben das jedenfalls gemacht und erinnern uns noch heute gerne daran: über uns die Sonne, unter uns die tosende Brandung, die an die Felsen schlägt und die Gischt aufstiebt.

Ausblick vom Kap der Guten Hoffnung

Aber Achtung: am Parkplatz besteht akute Diebstahl-Gefahr. Weniger durch Menschen, sondern durch die vielen Affen, die neugierig alles untersuchen, was nicht niet- und nagelfest ist und mit einer unglaublichen Geschicklichkeit auch Autotüren öffnen. Mir lief ein besonders witziges Exemplar vor die Linse, das selbstverliebt sein Spiegelbild in der Rückscheibe eines Autos küsste.

Baboon mit narzisstischer Tendenz

AFRIKA HAT MEIN HERZ EROBERT

Am Weg zurück haben wir uns verfahren und kamen ein Stück in eine der Armen-Siedlungen hinein. Mit einem Auszug aus meinem Reisetagebuch zu diesem Erlebnis möchte ich meinen kleinen Reisebericht abschließen:

Bunt wie das Leben

„Neugierig sahen die Menschen zu uns ins Auto. Und ebenso neugierig sah ich zu ihnen hinaus; versuchte wahrzunehmen, ob sie lachten, ob sie zufrieden wirkten trotz der Armut. Und es schien mir, als wären sie entspannter, nahmen die Dinge, wie sie waren, sahen aus, als würden sie einfach im Hier und Jetzt leben. Vielleicht sah ich nur meine eigenen Wünsche in ihren Gesichtern reflektiert. Aber wenn ich mir die Gesichter in Wien vergegenwärtigte, die stets gestresst und in Eile wirkten, immer unzufrieden, als hätten alle eine schwere Bürde zu tragen, dann hatte ich den Eindruck, dass hier in all diesem Elend die Menschen noch wussten, was Glück sein konnte.

Afrika, ein Land, das man mit dem Herzen erfährt.“

Servus, ciao-ciao und baba, eure Lena.

2 comments
  1. i.looxs Designallerlei
    i.looxs Designallerlei

    Liebe Sascha,
    freue mich, dass dir der Beitrag gefällt. Südafrika ist zu jeder Jahreszeit eine Reise wert. Besonders schön finde ich es im südafrikanischen Herbst, in den nächsten Wochen. Also Koffer packen und ab in den Süden!

    Liebe Grüße, Lena

  2. Avatar
    Sascha

    Hallo Lena,
    Deine Bilder von Südafrika sind wirklich wunderschön. Man kommt richtig ins Träumen wenn man deine Geschichten liest. Ich habe direkt die Feuchtigkeit des Meeres gespürt.

    Ich war noch nie in Südafrika, aber es dürfte ein unglaubliches Land sein. In welcher Jahreszeit ist es am Schönsten? Sprich: wann sollte ich fliegen?

    Deine
    Sascha

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