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TRAVEL

FRÜHLING IN DER WACHAU

Es gibt Tage, da hätte man am besten gar nicht erst aufstehen sollen. So einen Tag hatte ich letzte Woche. Dabei hatte er gar nicht so übel begonnen. Am Morgen war mir alles gut von der Hand gegangen, meine Arbeit flutschten nur so und ich hatte ein paar gute Ideen für neue Kundenprojekte.

Bis mittags dann der Handwerker kam, um einen locker gewordenen Außenrollladen wieder zu fixieren. Der junge Mann schwang sich aufs Fensterbrett, stellte seine Beine auf unseren Heizkörper und machte Anstalten aufzustehen. Mein Schrei „niiiiiiiiiicht“ und das Krachen des Heizkörpers beim Aufschlag am Boden kamen zur selben Zeit. Eine Sekunde stand ich wie reglos da und wartete wie in Zeitlupe, ob sich jetzt eine Fontaine Wasser aus den geborstenen Leitungen auf unseren Parkett ergießen würde. Aber zumindest das blieb mir erspart. Meine ohnedies schon sehr in Mitleidenschaft gezogene Begeisterung sank aber spätestens dann gegen Null, als der Installateur wenig später kam und die notwendigen Arbeiten zur Schadensbehebung beschrieb.

Bei einer Tasse Espresso besprachen wir die weitere Termin- und Maßnahmenplanung. Als ich den Anruf eines Kunden annahm, verabschiedete sich der Installateur mit einer freundlichen Geste, gab mir zu verstehen, dass er alleine rausfinden würde und warf sachte die Türe hinter sich zu. Es folgte ein wahnsinnig lauter Knall. Als ich mich umdrehte, sah ich, dass sich der große Spiegel beim Eingang von der Wand gelöst hatte, gegen die gegenüber liegende WC-Türe gekracht und in 1000 Scherben zerbrochen war. Das „Hallo, sind Sie noch in der Leitung?“ meines Kunden holte mich wieder in die Realität zurück.

Was bitte würde an diesem Tag noch alles passieren? Leicht zerknittert entfernte ich die Scherben und überlegt mir, ob ich mich jetzt einfach ins Bett verkrümeln, die Decke über den Kopf ziehen und erst wieder am nächsten Tag aufstehen sollte. Aber so leicht wollte ich es dem guten alten Murphy nicht machen. Nicht mit mir! Nein, ich würde aus diesem Tag noch einen dieser „Museumstage“ aus Strelecky´s „Big 5 for Life“ machen.

Es war 14 Uhr am Nachmittag, mitten unter der Woche, die Sonne strahlte und kein einziges auch noch so kleines Wölkchen trübte das Blau des Himmels. Der Radio-Wetterfrosch konnte es selbst nicht glauben, dass es Ende März 22°C im Freien gab und die Marillenblüte in der Wachau bereits voll im Gange war. Kurz entschlossen packte ich meine Kamera ein, setzte mich ins Auto und fuhr los.

Als ich kurz vor der Auffahrt zur Nordbrücke in einem Stau stand, war ich für den Bruchteil einer Sekunde unsicher, ob ich an einem Tag wie diesem wirklich Auto fahren sollte, aber die Verzögerung war nur kurz und schon beim Blick auf das erste Grün am Kahlenberg und die in der Sonne glitzernden Glasscheiben des DC Towers am Weg über die Donau vergaß ich schnell alle Missgeschicke.

...entspannen im Duft der Marillenblüten.

Kurz vor Krems fuhr ich von der Schnellstraße ab und cruiste völlig relaxt durch diese gerade erwachende Frühlingslandschaft. Und dann sah ich sie auch schon, die ersten Marillenbäume, die tatsächlich in voller Blüte standen. Ich ließ das Auto am Straßenrand stehen, rückte meine Sonnenbrille zurecht und schlenderte gemütlich den Feldweg entlang, den blühenden Baumalleen entgegen. Der Duft der sich schön langsam wieder erwärmenden Erde stieg mir in die Nase. Wie schön, nach diesem langen und grauen Winter. Das laue Lüftchen, die warmen Sonnenstrahlen auf der Haut, die wunderbare Stille und die zarten Marillenblüten ließen mich Heizkörper, Spiegel und die ganze restliche Welt vergessen.

Fasziniert von der Schönheit dieser so zarten, rosa Blüten stand ich da und versuchte, mich satt zu sehen. Wie viele Millionen Blütenblätter mochten das sein? Ich stellte mir vor, wie sich eine Biene fühlen musste bei diesem Anblick. Das buchstäbliche Schlaraffenland. Wow, so eine Üppigkeit konnte nur die Natur schaffen.

Wer noch rasch einen Ausflug zur Marillenblüte machen möchte, kann bei diesen Webcams nachsehen, ob es sich noch lohnt:

http://webcam.marillen.at/webcam/marille2/
http://www.wachauermarille.at/popup.php
http://www.donau.com/de/wachau-nibelungengau-kremstal/essen-trinken/reich-gedeckte-tische/marille-spargel-co/die-wachauer-marille/

Der Gedanke an die Bienen und ihr Schlaraffenland brachte mich auf die Idee, noch rasch einen Beutezug nach Weissenkirchen in den Wachauer Bauernladen zu starten und Marillenröster zu erstehen.

Man muss schon sagen, die Wachau hat vieles zu bieten. Aber was auch immer man unternimmt, man endet stets bei den kulinarischen Genüssen. Und die sind ausgesprochen vielfältig. Einzigartig sind natürlich die unzähligen Spezialitäten aus Marillen. Wobei mein Highlight dabei neben den reifen Früchten - am liebsten direkt vom Baum - eindeutig der Marillenröster ist. Ok, ich würde mich auch bei dem vor- und nachgelagerten Produkt, also der Marillenmarmelade und dem Marillenkompott, nicht lange bitten lassen. Aber der Marillenröster ist die ultimative Geschmacksexplosion aus Fruchtstücken, Süße und gleichzeitig milder Fruchtsäure. Und das mit einem frischen, fluffigen Kaiserscharren... hmmmmm, mein ganz persönliches Schlaraffenland.

Der nette Herr im Wachauer Bauernladen (Rollfährestrasse 183, 3610 Weissenkirchen) versuchte seine Verblüffung ob meines Großeinkaufes höflich zu verbergen. Vermutlich hatte er mit mir den Umsatz des Monats gemacht. Aber bei der ohnedies sehr spärlich ausgefallenen Marillenernte im letzten Jahr verstand ich keinen Spaß. Es war noch lang bis zur nächsten Ernte im Sommer und der Kaiserschmarren in unserer Familie sehr beliebt.

... die Schönheit mit allen Sinnen wahrnehmen.

Völlig versöhnt mit dem Tag, glücklich über all diese Schönheit der Natur und über meine Marillenröster-Ausbeute, fuhr ich noch nach Langenlois und kaufte ein paar Flaschen Grünen Veltliner und Gemischten Satz in der Vinothek Ursin Haus, Kamptalstrasse 3, 3550 Langenlois. Schließlich würde sich die Wachauer Marille ohne Wachauer Weißwein ja sonst einsam fühlen.

Am Weg nach Hause war ich der glücklichste Mensch der Welt. Den Duft der Natur und die Stille habe ich in meinem Inneren mitgenommen und ein paar Tage auch im hektischen Stadtleben noch bewahrt.

Auch wenn alles schief geht, was schiefgehen kann. Es gibt so viel Schönes um uns herum. Man muss es nur wahrnehmen und schon bekommen die großen und kleinen Missgeschicke eine ganz andere Relation. In diesem Sinne lasst euch berauschen von so viel Schönheit und üppiger Blütenpracht und vergesst eure Scherben des Alltags für einen bewussten Moment!

Servus, ciao-ciao und baba, eure Lena.

2 comments
  1. i.looxs Designallerlei
    i.looxs Designallerlei

    Liebe Anna,
    ja, ich denke, es ist wichtig, dass man sich nicht unterkriegen lässt. Es gibt soviel Schönes, das man wahrnehmen sollte, auch wenn man mit einem kleiner oder größeren Missgeschick zu kämpfen hat. Wünsche Dir einen wunderschönen Tag!
    Lieben Gruß,
    Lena

  2. Avatar
    Anna S

    Unglaublich, dass ein beginnender „Minustag“ so einen schönen Ausklang findet. Es ist bewundernswert so etwas zum Lesen zu bekommen.

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