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LIFE

DIE SELBSTVERSTÄNDLICHKEIT IM ALLTAG

Kennt ihr das, man merkt erst, wie gut man es hat, wenn plötzlich etwas fehlt? Wir nehmen heute so viele Dinge als selbstverständlich, die für unsere Großelterngeneration noch absoluter Luxus oder gar unmöglich waren.

Welchen Komfort ich tagtäglich genieße, ohne es bewusst wahrzunehmen und meistens leider auch ohne es wertzuschätzen, das wurde mir jetzt wieder einmal so bewusst. Es fing damit an, dass mein Geschirrspüler plötzlich wie wild zu piepen begann. Also, Geschirrspülertüre aufreißen und mit großen Augen reinstarren. Bloß dass da nix zu sehen war, außer einer kleinen roten Leuchte, die ein Problem mit dem „Zu- oder Abfluss“ signalisierte. Da wir bezüglich verstopften ABFLUSS gebrannte Kinder sind, puzzelte ich leicht genervt das Sieb zwischen dem Geschirr hervor und stellte fest: alles ok. Also kombinierte der Sherlock Holmes in mir – es kann sich nur um den ZUFLUSS handeln. Aber was sollte der schon haben?

Im selben Moment fing die Waschmaschine grell zu piepen an. Dazu möchte ich erwähnen, dass ich natürlich nicht ständig sämtliche Elektrogeräte am Laufen habe. Nur samstags versuchen wir, unsere hauswirtschaftlichen Tätigkeiten geblockt am Morgen zu erledigen, um den restlichen Tag zur freien Verfügung zu haben. Diesen Samstag war ich alleine zu Hause.

Ich stürmte also zur Waschmaschine und freute mich, dass ich mich beim Kauf dieses Exemplares vor einigen Jahren durchgesetzt hatte – mein Luxuswaschtrockner war nämlich in der Lage, mir dezidiert in der Digitalanzeige das Problem anzuzeigen – kein Wasser-Zufluss. Erst da kam ich auf die Idee, zum Wasserhahn zu gehen und nachzusehen, ob Wasser floss. Aber außer dass es in der Leitung etwas blubberte, kam da nix.

Wasser aus der Leitung ist selbstverständlich...

Kein Wasser? Wieso das denn? Ich griff also beherzt zum Telefon und befragte unsere Nachbarin, ob sie auch kein Wasser hätte. Allein schon, weil sie eine gefühlte Ewigkeit besetzt war, nahm ich an, dass es auch bei ihr kein Wasser gab. Da sie nichts von Arbeiten oder Gebrechen bei uns im Haus wusste, musste es sich also um ein größeres Problem handeln. Ein sehr netter und fürsorglicher Herr am Wiener Wasserwerke-Telefon klärte mich auf, dass es einen Gefrierschaden in der Nähe unseres Hauses gab und zur Behebung das Wasser für die nächsten 6-8 Stunden abgesperrt werden musste.

Meine Hoffnung, es würde sich nur um eine kurze Unpässlichkeit handeln, versank damit im Nirwana. Aber was hieß das jetzt? Die Bettlaken, die fröhlich in einer Lauge in der Waschmaschine schwammen, konnte ich nur schleudern und dann, klebrig wie sie waren, zum Trocknen aufhängen. Das halbfertige Geschirr im Geschirrspüler machte hingegen kein Problem. Irgendwie ist es ja generell etwas pervers, finde ich, dass man schmutziges Geschirr einfach in einen beinahe luftdicht abgeschlossenen Schrank stellt und dort vor sich hingammeln lässt, bis genügend zusammen gekommen ist, dass sich Geschirrspülen lohnt. Aber hier erwies sich der Geschirrspüler - wieder einmal - als wahrer Segen. Tür zu und fertig für´s Erste.

Was ich gänzlich abschreiben konnte, war das Nachfüllen des Luftbefeuchters, der bei uns im Winter eigentlich rund um die Uhr wohltuende Feuchtigkeit spendete. Gut, das ging ja mal für ein paar Stunden. Also einfach die Bügelwäsche machen. Nein, doch nicht, dafür hätte ich ebenfalls Wasser gebraucht. Schön langsam dämmerte mir der Umfang dieses Problems. Also ging ich zur Kaffeemaschine und stellte erleichtert fest, dass dort zwar auch kein Wasser mehr im Tank war, ich allerdings glücklicherweise gleich in der Früh eine Karaffe mit Wasser gefüllt und damit nun eine eiserne Reserve hatte.

Leicht umnebelt vom Waschpulvergeruch des langsam trocknenden Bettlakens, schlürfte ich meinen zweiten Kaffee und überlegte, wofür ich heute unbedingt noch Wasser benötigte und wie viel das war. Meinen Plan, an diesem Tag unsere Küchenschränke wieder einmal innen raus zu wischen, verwarf ich mit einem leichten Grinsen - manchmal hatte man ja auch einfach Glück. Dass ich meinen Alleine-Zuhause-Wellness-Nachmittag, an dem ich mir ein schönes, heißes Bad mit viel Badeschaum, einer feuchtigkeitsspendenden Gesichtmaske und vielleicht einem Gläschen Prosecco gönnen wollte, auch abschreiben konnte, fand ich weniger schön. Aber es ging zur Not auch ohne.

... Wasser bringt Luxus in unser Leben.

Nur als ich dann gedanklich zum Punkt „Toilette“ kam, überdachte ich schlagartig meinen Vorsatz, mindestens 2 Liter Wasser am Tag zu trinken. Nicht nur, weil ich überhaupt keine 2 Liter Wasser mehr zu Hause hatte. Blitzartig griff ich nach meiner Geldbörse, verwandelte mich temperaturadäquat in ein kleines Michelin-Männchen und trabte in den nächsten Supermarkt. Ein 6-Pack Wasser sollte vermutlich bis zum Abend reichen.

Bis gegen 19 Uhr das Wasser wieder verfügbar war, wurde ich noch vor einige kleinere und größere Herausforderungen gestellt. Das fing an mit Händewaschen, Blumen gießen, Kaffeetropfen vom Esstisch wischen bis hin zur „Katzenwäsche“ von Gemüse und Salat beim Kochen. Man glaubt gar nicht, wie viele Male am Tag man ohne groß nachzudenken zum Wasserhahn geht.

Ein paar Stunden ohne Wasser und man ist gezwungen, seinen kompletten Tagesablauf umzustellen oder zumindest grob zu überdenken. Mir ist dadurch wieder einmal bewusst geworden, welchen Luxus wir heute im Alltag genießen und das alles für selbstverständlich halten. Ich habe einmal gelesen, dass etwa 1 Milliarde Menschen keinen Zugang zu Trinkwasser haben und mehr als 2,5 Milliarden keine Toiletten und Abwasserentsorgungssysteme. Wir drehen einfach den Wasserhahn auf und haben klares, sauberes Trinkwasser zur Verfügung. Nichts ist selbstverständlicher als das Glas mit frischem Leitungswassers, die morgendliche Dusche und der gedankenlose Griff zur Drückerplatte am WC. Und das ist auch gut so. Wir sollten es einfach nur auch schätzen.

In diesem Sinne wünsche ich euch ein fröhliches Splish-Splash mit unserem unendlich kostbaren Gut Wasser! Schätzt euch glücklich und lasst es euch gut schmecken!

Servus, ciao-caio und baba, eure Lena.