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DESIGN

WIR SIND DESIGNER UNSERES LEBENS

Design ist heute vermutlich einer der am meist strapazierten Begriffe unserer Zeit. Es gibt keine einheitliche Begriffsdefinition, nur über eines sind sich alle einig: Design ist die Gestaltung all dessen, was uns im Alltag umgibt und aus letzterem nicht mehr wegzudenken.

Wenn ich an Design denke, fallen mir spontan Markennamen wie B&B Italia, Bulthaup oder Porsche ein, deren Produktdesigns ich nicht nur als „schön“ sondern auch als „gut“ empfinde. Und natürlich kommen mir die Menschen, deren Kreativität und Innovationskraft all die wunderbaren Dinge geschaffen haben, in den Sinn. Designer wie Zaha Hadid, Patricia Urquiola oder Philip Starck - die Liste außergewöhnlicher Designer ist lang. Aber eigentlich sind wir alle Designer - wir alle gestalten unser tägliches Leben, unsere Umgebung und uns selbst.

... wir gestalten unser Leben, unsere Umwelt und uns selbst.

Oft beschäftigen wir uns aber gerade mit der Gestaltung unserer unmittelbaren Umgebung, unserer Wohnung, nur nebenbei. Wenn Möbel aufgrund akuter Altersschwäche ausgewechselt werden müssen, die Farbe nach wiederholten Ausbesserungsversuchen endgültig von der Wand blättert oder sich unsere Lebensverhältnisse ändern und wir unsere Wohnverhältnisse gezwungenermaßen adaptieren müssen.

Dabei beeinflusst gerade unser Wohndesign maßgeblich unser Wohlbefinden. Und das nicht nur unmittelbar, wenn wir zu Hause sind. Was wir mit unseren Sinnesorganen aufnehmen, wirkt sich nicht nur auf unsere aktuelle Stimmung sondern auch nachhaltig auf unser gesamtes Denken, Fühlen und letztendlich Handeln aus. Das hört sich vielleicht für Euch im ersten Moment etwas übertrieben an, ist es aber nicht. Moderne Forschungsrichtungen wie die Wohn- und Architekturpsychologie beschäftigen sich seit einigen Jahren mit der Frage, wie uns Räume, Gebäude und die von uns gestaltete Umwelt beeinflussen und wie diese beschaffen sein sollten, um einen positiven Effekt auf uns und unser Leben auszuüben.

Schönes Wohnen verbessert unsere Lebensqualität...

Schönes Wohnen ist also kein Modetrend, sondern eine sinnvolle und nachhaltige Verbesserung der Lebensqualität. Ich finde, um eine Antwort geben zu können, wie unsere Wohnung aussehen soll, damit sie uns gut tut, muss man sich zuerst überlegen, welche Bedürfnisse unsere Wohnung erfüllen soll. Für mich ist sie einerseits ein Rückzugsort, an dem ich Ruhe und Geborgenheit suche. Andererseits brauche ich auch Raum für Inspiration und Kreativität, nicht nur in meinem Home-Office. Und schließlich sollte die Wohnung auch "beziehungstauglich" sein.

SCHRIFTDESIGN MIT UNTERSCHIEDLICHEN DESIGNTHEMEN

Gut, fangen wir einmal mit dem Wohlfühl-Effekt an. Ich fühle mich wohl, wenn ich von schönen Dingen umgeben bin. Womit wir bei der Frage angelangt wären: "Was ist schön?". Und da wir wissen, dass Schönheit im Auge des Betrachters liegt, ist "schön" also sehr subjektiv. Ich persönlich finde klare, geradlinige Formen, wenig Schnörksel, helle Farben und generell nicht zu viel Mix, sowohl bei Materialien als auch bei Farben, schön.

Ich mag weiße Möbel, weil sie sich sehr zurücknehmen und auch zeitlos sind. Generell wirkt es auf mich beruhigend, wenn nicht allzu viele Einrichtungsgegenstände in einem Raum sind, so dass ich das Gefühl habe, hier ist auch noch Platz für mich. Das ist natürlich rein subjektiv, aber genau diese emotionale Wahrnehmung beeinflusst das Wohlbefinden ja am meisten. Ich finde Weiß mit Holz kombiniert sehr ansprechend; das gibt eine wohlig, warme Note. Und ich liebe kuschelige Langflor-Teppiche. Alleine schon deshalb, weil wir keine Fußbodenheizung haben, ich aber auch im Winter gerne barfuß zu Hause herumlaufe.

... kleine Dinge zeigen große Wirkung.

Was generell Accessoires anbelangt, sollte man deren Einfluss auf die Raumwirkung keinesfalls unterschätzen. Ich mochte beispielsweise früher keine Vorhänge. Als nach und nach neue Wohngebäude in unserer unmittelbaren Nachbarschaft entstanden sind, habe ich hauchzarte, weiße Stores angebracht, die mir gefühlt mehr Privatsphäre geben, aber Licht und Sonne ungehindert weiter hereinlassen. So fühle ich mich jetzt deutlich wohler.

Nicht jeder ist Sonnenanbeter wie ich. Licht, Beleuchtung und Farben sind dennoch für das Wohlbefinden aller entscheidend. Man fühlt sich wohl, wenn man das Maß an Licht oder Beleuchtung zur Verfügung hat, das man jeweils braucht. Ich habe deshalb im Küchenbereich, im Home-Office und im Badezimmer quasi OP-Beleuchtung installiert, weil ich es hasse, nicht genug zu sehen. Alle Leuchten sind aber dimmbar, so dass bei Bedarf ganz einfach statt Arbeitsstimmung eine ganz gemütliche, dezent ausgeleuchtete Atmosphäre quasi auf Knopfdruck entstehen kann.

COLLAGE PRODUKT-DESIGN im WANDEL DER ZEIT (links Bassena Wien, Ende 19.Jahrhundert; rechts Antonio Lupi Design 2016)

Bei den Farben gehöre ich nicht zu den allzu Mutigen. Ich bevorzuge, wie gesagt, viel Weiß und gedeckte Erdtöne. Für andere mag das vielleicht langweilig wirken. Wichtig ist nur, dass man sich mit jenen Farben umgibt, die man als angenehm empfindet. Jetzt werdet Ihr vielleicht denken, eh klar. Aber manchmal ist es eben nicht klar, weil nicht bewusst wahrgenommen.

Eine Freundin von mir war immer "irgendwie unzufrieden" mit ihrer Wohnung, konnte aber nicht sagen, woran es lang. Als wir einmal gemeinsam Mädels-Shoppen waren, brachte ihr eine Verkäuferin ein cremefarbenes Kleid. Sie lehnte es spontan mit den Worten "Das ist nicht Fisch und nicht Fleisch, sieht irgendwie unsauber aus" ab. Meine Frage, warum sie dann in ihrer gesamten Wohnung einen gebrochenen, cremefarbenen Grundton an den Wänden hätte, brachte nicht nur Falten auf ihre Stirn sondern auch die Lösung für ihr Wohnproblem.

Jeder ist seiner Farbe Schmied...

Ich finde es beim Griff in den Farbtopf ratsam, kräftigere Töne bei jenen Möbeln oder Ziergegenständen zu verwenden, die leicht und kostengünstig ausgetauscht werden können. An intensiven Farben sieht man sich in der Regel schneller satt. So spart man Geld und kann mit einfachen Mitteln und ohne schlechtes Gewissen immer wieder neuen Schwung in seine Einrichtung bringen.

WEISS WIRKT GROSSZÜGIG UND RUHIG

Das bringt mich auch gleich zu meinem Ort der Inspiration, meinem Home-Office. Ich habe nicht nur berufsbedingt immer wieder gerne frischen Wind in meiner Einrichtung und brauche Platz zum Experimentieren. Deshalb habe ich eine leere Wand hinter meinem Schreibtisch, die ich immer wieder umdekoriere. Mal mit Wandregal, mal mit Bildern und auch schon mal mit Wandtatoo. Das sind meine ganz persönlichen 5m2 Kreativwiese. Hier gibt´s auch kein Gemeckere meines Partners, wenn ich mich ganz nach Belieben austobe.

... beziehungstauglich wohnen macht glücklich.

Vermutlich ist das auch ein wesentlicher Teil der "Beziehungstauglichkeit" unserer Wohnung. Ich erlebe es öfter, dass Paare versuchen, sich auf den kleinsten, gemeinsamen "Einrichtungs-Nenner" zu einigen. Was meistens dazu führt, dass es gar keinen Stil mehr in der Wohnung gibt und sich beide nicht wirklich wohl fühlen. Zumindest in urbanen Regionen kommt das alte Rollenmodell "Paps geht in die Garage, Mutti in die Küche" nicht nur deshalb nicht mehr zum Tragen, weil es meistens gar keine Garage mehr gibt und die Küche mitten im Wohnzimmer steht. Dass jeder einen Rückzugsbereich für sich haben sollte, sei es eine Leseecke, ein Lieblingsohrensessel oder eben ein Stückchen Wand, ist aber unbestritten und aus meiner Sicht ein großer Schritt zum Glücklichsein.

Oft sind es kleine Dinge, die eine große Veränderung bewirken können. Man muss nicht gleich die ganze Wohnung neu einrichten, um seine Lebensqualität zu erhöhen. Wenn man gerne einen hellen Fußboden hätte, den dunklen aber nicht entfernen kann, könnte man mit einem hellen Teppich eventuell eine deutliche Verbesserung erzielen. Ein bisschen Farbe an einer ausgewählten Wand kann Tristesse verscheuchen und ein paar Blumen auf dem Fensterbrett puschen den Wohnlichkeitsfaktor schon erheblich. In manchen Fällen sollen Entrümpeln und neu Ordnen wahre Wunder in Richtung Zen-Minimalismus bewirkt haben.

LANDSCHAFTSDESIGN MIT WINTER WONDERLAND

Wichtig ist nur, denke ich, dass man sich einmal bewusst Zeit nimmt und sich überlegt, was empfindet man als schön und angenehm, was tut einem nicht gut bzw. sollte man ändern. Die meisten von uns verbringen viel Zeit zuhause und sei es nur um zu schlafen, die Kleidung zu wechseln und seine Sachen zu verstauen. Täglich nach Hause zu kommen, sich darauf zu freuen und einen kleinen Glücksmoment beim Betreten der eigenen 4-Wände zu empfinden - oder jeden Tag mit einem unguten Gefühl die Wohnung zu betreten - Leute, das macht einen riesigen Unterschied!

Bewusst Zeit nehmen für Schönes...

Und noch eines, das Argument, die Wohnung sei einfach zu klein, steht auf schwachen Beinen. Zu kleine Wohnungen sind meistens entweder falsch eingerichtet, nicht eingerichtet oder eine Ausrede. Klar, viele träumen von einer großen Wohnung oder einem schönen Haus. Aber glücklich leben kann man auch auf wenig Raum. Man muss vielleicht ein bisschen konsequenter Prioritäten setzen.

In diesem Sinne würde es mich freuen, Euch eine Inspiration gegeben zu haben, vielleicht nicht gleich ein großer Star-Designer zu werden, aber doch der beste Designer Eures eigenen Lebens! Ich wünsche Euch eine gute Zeit in Eurem schönen Zuhause und freue mich auf Fragen oder Berichte, warum Ihr gerne nach Hause kommt oder lieber etwas ändern möchtet.

Servus, ciao-ciao und baba. Eure Lena.

2 comments
  1. Lena
    Lena

    Hallo Petra,

    es freut mich, dass Dich mein Beitrag inspiriert hat. Gutes Gelingen! Ich freue mich schon auf deinen Bericht!

    LG Lena

  2. Avatar
    Petra

    Hallo Lena,

    klingt einfach gut! Du hast mich motiviert, endlich mal meine Wohnung – nach meinen Wünschen – umzugestalten.
    Bericht wird folgen.

    Liebe Grüße
    Petra

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