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DESIGN

BMW M2 – AUSFLUG MIT POWER & FRAU

Heute morgen musste alles ganz schnell gehen: im sportlichen Sprint ins Bad, 2 x Kaffee – ok, die Zeit musste sein! - danach ab zu meinem Treffen mit Frank Isenberg, dem M2-Projektleiter der BMW M GmbH.

Zuerst höre ich den M2, satt, sonor und zwischendurch ein bisschen aufmüpfig, bevor ich ihn auch sehe. Es gibt sicher schnittigere Sportwagen, flachere, breitere, lautere. Das kümmert den M2 aber nicht; er besticht durch sein agiles Understatement. Würde man seine M-Design-Elemente nicht kennen, könnte man ihn beinahe für einen gut motorisierten Mittelklassewagen halten. Das ist eines der Dinge, die ich am M2 so mag: keine Protzkiste, sondern eine dynamische Flitzkiste.

... im Interview mit Frank Isenberg, Vater des BMW M2

„Flitzkiste“ kommt übrigens aus dem Vokabular von Frank. So beschreibt er liebevoll sein Baby, das er 2016 den sportbegeisterten M-Liebhabern präsentierte. Gleich wird er den Fahrersitz mit mir tauschen und ich darf den „kleinen Weißen“ ausprobieren.

Ok, manche von euch werden jetzt vielleicht schmerzverzerrt das Gesichts verziehen - wenn ich diesen Supersportwagen als „Kleinen“ bezeichne. Aber ich bin eine Frau und darf das. Ich habe ihn auf den ersten Blick lieb gewonnen und Mutterinstinkte entwickelt. Na gut, man könnte auch sagen – will haben!!!!!

Frank Isenberg/Projektleiter des M2 bei der BMW M GmbH

Bevor wir losfahren, erzählt mir Frank noch ein bisschen von der Entstehung des jüngsten Mitglieds der M-Familie. Frank ist seit mehr als 30 Jahren Entwicklungs-Ingenieur bei BMW M und hat vor dem M2 das 1er M Coupé aus der Taufe gehoben. Das Besondere an ihm ist, dass er die Sportwagen von BMW nicht nur mit entwickelt, sondern viele Jahre lang auch das Fahrertraining von BMW geleitet und ausgebaut hat. Sprich, er kann diese Autos nicht nur bauen sondern auch bewegen. Was er unter „bewegen“ versteht, konnte ich schon einige Male live miterleben, besonders bei Fahrtrainings auf Eis und Schnee. Aber das ist eine andere Geschichte.

Frank, wie kam es eigentlich zur Entwicklung des M2?

Frank: „BMW wollte die M-Familie um ein vollwertiges, aber günstigeres Einsteiger-Modell erweitern; nachdem das 1er M Coupé ausgelaufen war, war die 2er Serie als Basis dafür ideal.“

Wie läuft so ein Projekt zur Entwicklung eines M-Modelles eigentlich ab?

Frank: „Der Startpunkt ist immer der Kunde. Unsere Vertriebskollegen bringen ihre Marktsicht mit den Kundenanforderungen ein. Auf dieser Basis erstellen wir dann aufbauend auf dem Serienfahrzeug technische Spezifikationen, wie man dies am besten umsetzen könnte. Diese wiederum fungieren als Briefing für das Design-Team. Nach den ersten Design-Skizzen beginnt die Detailarbeit und das fruchtbare Spannungsfeld zwischen Technik und Design.“

...Spannungsfeld zwischen Technik und Design.

Was meinst Du mit „fruchtbarem Spannungsfeld?

Frank: “Das Design-Team möchte natürlich ein Auto, das sich maximal differenziert im Aussehen und daraus seinen Wow-Effekt kreiert. Das ist für uns Techniker erst einmal zweitrangig; uns geht es um perfekte technische Features. Aber ein M-Fahrzeug wäre kein M, wenn es nicht beides vereinen würde. So spornen wir uns gegenseitig an und holen das Optimum aus beiden Welten.“

Sind es zwei Welten?

Frank lacht: „Es gibt Momente, da scheinen es zwei Galaxien zu sein. Aber, nein, im Alltag sind wir nicht so weit voneinander entfernt. Die Designer haben ja in der Regel auch Benzin im Blut; da gibt es großes Verständnis für technische Anforderungen. Auf der anderen Seite, wenn vom Design-Team eine super Idee kommt, suchen wir nach Möglichkeiten, dies technisch umzusetzen.“

Wie umfangreich sind eigentlich die Änderungen von einem Serienfahrzeug, also hier dem 2er, auf das entsprechende M-Modell?

Frank: „Das hängt vom konkreten Modell ab. Aber im Schnitt wird etwa ein Drittel aller Teile geändert. Beim M2 waren das über 300 Neuteile und ebenso viele haben wir vom großen Bruder, dem BMW M4, übernommen.“

... der kleine Bruder von M3 und M4

Wie hat das funktioniert, dass sich die Leistungen des M2 durchaus mit den großen Brüdern messen können, der Preis aber doch deutlich geringer ist?

Frank: „Wir haben versucht, weitestgehend Teile aus dem Basisfahrzeug M235i und dem M4 zu verwenden, um so die Entwicklungskosten geringer zu halten. Außerdem haben wir den M2 bewusst puristisch ausgelegt, nicht nur vom Design, sondern auch von den technischen Features her. So haben wir beispielsweise auf kostenintensive Leichtbaumaßnahmen wie Carbondach oder Carbon-Kardanwelle bewusst verzichtet. “

Was war für Dich der spannendste Moment in diesem Projekt?

Frank: „Das war die sogenannte „Hochzeit“ beim ersten im Werk Leipzig gebauten M2, also der Moment, wo auf dem Montageband die Komponenten Motor, Getriebe und Achssystem in die weitestgehend komplettierte Karosserie eingefahren werden. Und natürlich die erste Testfahrt mit einem frühen Prototypen auf dem Nürburgring.“

... Fahrverhalten und Fahrdynamik im Test.

Was wird da alles getestet?

Frank: „Da wird das Auto ganzheitlich auf Herz und Nieren geprüft. Wir überprüfen das Ansprechverhalten des Motors, die Leistungsabgabe und machen die fahrdynamische Feinabstimmung. Das heißt, wir testen Bremsen, Lenkung, Stoßdämpfer, etc. und natürlich die Fahrwerkregelsysteme.“

Was war das Ziel der Abstimmung?

Frank: „Der M2 sollte bis in den hohen Grenzbereich leicht beherrschbar sein, also ein sportliches und gleichzeitig gutmütiges Fahrverhalten aufweisen. Außerdem war uns ein hohes Maß an Feedback an den Fahrer wichtig, das es ihm ermöglicht, das fahrdynamische Potenzial bis ans Limit auszunutzen, ohne sich unsicher zu fühlen.“

Gut, und das will ich jetzt gleich einmal selbst ausprobieren. Ich steige also ein, starte, stelle Sitz, Lenkrad und Spiegel ein und tippe vorsichtig auf das Gaspedal. Das Modell, das Frank mitgebracht hat, verfügt über DKG mit Schaltwippen. An letztere muss ich mich erst einmal gewöhnen.

Typisch Frau, bewege ich das Auto vorerst nur zaghaft, teste an den Kanaldeckeln mein Gefühl für die Ausmaße des Autos und gewöhne mich an die breiten Reifen und den Widerwillen des M2, einer schmalen Spurrinne zu folgen. Kann ich gut verstehen, könnte ich auch nicht leiden, wenn man mich in ein viel zu enges Korsett quetschen wollte.

Es braucht nicht lange und der M2 ist warm. Auf einer Bergstraße habe ich Gelegenheit, einen Bruchteil des Könnens des M2 kennenzulernen. Langsam taste ich mich an höhere Kurvengeschwindigkeiten heran, stets mit einem kurzen Seitenblick auf meinen Beifahrer. Auch so eine Angewohnheit von uns Frauen. Doch Frank sitzt seelenruhig neben mir, erzählt mir über die enormen Querbeschleunigungseigenschaften des Autos und gibt mir ab und zu Tipps, wie ich eine bessere Linie fahren kann.

... Fahrspaß pur!

Ich erzähl euch jetzt nicht, welch toller Hecht ich doch im Powerslide bin. Erstens bin ich das nicht und zweitens ist das für mich auch nicht wichtig. Wichtig ist, dass ich Freude am Fahren habe, mich sicher und wohl mit dem Auto fühle. Und das tue ich zu 100%. Schon nach kurzer Zeit habe ich den Eindruck, mit dem Auto vertraut zu sein, und genieße die Agilität des M2. Es können gar nicht genug Kurven sein und es ist eine Freude, wie leichtfüßig sich dieses Auto bewegen lässt, auch wenn man kein Profi-Motorsportler ist.

Im Vergleich zu meinem Straßenauto saugt sich der M2 gefühlt in der Kurve richtig an, klebt am Asphalt und zeigt seine Power beim Rausbeschleunigen, wenn man sanft in die Seitenpads des Ledersitzes gedrückt wird und das Popometer-Feedback perfekt funktioniert. Nach kurzer Eingewöhnung ist auch das Schalten mit den Wippen ein echtes Highlight. „Klack“ und schon ist der nächste Gang drin, so schnell bin ich bei meinem Auto mit Schaltgetriebe nicht einmal mit der Handbewegung in der nächsten Raste. Und so smooth wie das DKG kriegt man das manuell natürlich auch nicht hin.

Was mich generell am meisten begeistert, sind einfach die aus meiner Sicht optimalen Proportionen des M2. Er ist groß genug, um satt auf der Straße zu liegen, aber klein genug, um das Auto auch wirklich noch im Gefühl zu haben. Zumindest für mich Johnny-Normalkönnerin.

Ok, ich gebe zu, es macht mir auch höllisch Spaß, einen 911 auf der Autobahn abzuhängen, der ziemlich erstaunt drein blickt, als er in meinem Rückspiegel immer kleiner wird. Und als Abschluss der Ausfahrt gönne ich mir ein paar Extrarunden im Kreisverkehr. Das bringt mir zwar eine eindeutige Geste eines älteren Herren mit Hut ein, aber das ignoriere ich und freue mich über meine saubere Linie und den moderaten Drift. Da soll mal einer sagen, das Auto könne man in der Stadt ohnedies nicht fahren...

Als Abschluss treffen wir noch Krzysztof Szews, den Leiter BMW Design Exterieur Geometrie, der mit seinem Team für das Design des M2 verantwortlich zeichnet.

... im Interview mit Krzysztof Szews / BMW Design.

Kris, wie würden Sie als Designer den M2 beschreiben?

Kris: „Muskulös, kraftvoll, mit viel Spannung. Der M2 ist wie eine gespannte Feder und dann „paff“ legt er los. Ein Athlet mit richtig Muskeln auf den Schultern.“

Ist der M2 eigentlich aus Designer-Sicht ein „richtiges“ M-Fahrzeug?

Kris nickt: „Ja, eindeutig. Der M2 weicht zwar in ein paar Punkten vom klassischen M-Design ab, wie etwa hat man auf ein Carbon-Dach verzichtet und beim Außenspiegel auf das Doppelsteg-Design. Aber er hat die charakteristischen breiten, bulligen Stoßfänger vorne und hinten, die großen 19“ Räder, die 4-flutige Auspuffanlage, hochwertiges Alcantara, Carbon-Dekorflächen und die M-Prägung auf den Sitzlehnen im Innenraum. Und als Besonderheit eine blaue Naht, die sich durch den gesamten Innenraum zieht.“

Kris kommt ins Schwärmen: „Einzigartige beim M-Design ist die Lage der Rückstrahler. Die sind nämlich senkrecht in den hinteren Stoßfängern integriert. Nachts, wenn man das Auto sonst vielleicht nicht erkennen würde, weiß man – das ist ein BMW M-Fahrzeug. Und beim M2 ist das Design aus Stoßfänger und Rückstrahler aus meiner Sicht besonders gut gelungen.“

Da kann ich nur zustimmen. Das Popöchen vom M2 sieht muskulös und knackig aus, aber nicht pompös. Die Gradwanderung zwischen „mit der vollen Hose ist leicht stinken“ und dennoch elegant, ist gut gelungen.

Was waren aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen für das Design-Team bei der Entwicklung des M2?

Kris: „Kühlung und Aerodynamik. Von Technik-Seite kam die Anforderung, vorne möglichst große Kühllufteinlässe zu schaffen und den Luftfluss so gezielt zu steuern, dass die dahinter liegenden Kühler bestmöglich angeströmt werden. Bei der Aerodynamik war es die Challange, die bestmögliche Balance zwischen maximaler Down Force und trotzdem gutem cw-Wert zu finden.“

Kris, Sie sind Vater von 4-jährigen Zwillingen und stolzer Besitzer eines Labradors. Was fahren Sie privat für ein Auto?

Kris grinst breit:“Naja, das war eine reine Bauchentscheidung. Ich hab einen M2...“

What else... keine weiteren Fragen.

Ich jedenfalls bin auch begeistert vom M2 und wundere mich ehrlich, warum BMW immer noch mit diesem Macho-Gehabe Werbung für seine M-Fahrzeuge macht. Dabei gibt es genügend Frauen, die gerne sportlich fahren und so ein präzises Gerät mit höchster Fahrsicherheit schätzen.

In diesem Sinne, habt Freude am Fahren!

Servus, ciao-cioa und baba, eure Lena.

4 comments
  1. i.looxs Designallerlei
    i.looxs Designallerlei

    Hallo Frank,
    vielen lieben Dank! Freu mich riesig über dieses Kompliment von Dir! Es hat mir auch unheimlich Spaß gemacht!
    Der nächste Blogpost kommt übrigens schon bald; mehr will ich aber noch nicht verraten 🙂
    Liebe Grüße,
    Lena

  2. Avatar
    Frank Isenberg

    Hallo Lena,
    auf Deinen nächsten Bericht wartend, habe ich mir gerade die Fotos vom BMW M2 nochmal angeschaut.
    Es ist Dir sehr gut gelungen, die kompakte, kraftvolle Karosserie abzubilden. In sämtlichen Perspektiven schaut das von Kris verantwortete Design gut aus. Besonders durch die tiefe Kameraposition kommen die M typischen Designelemente voll zu Geltung und unterstreichen das sportliche Aussehen des M2.
    Und mit der Wahl von shooting location und Licht hattest Du auch ein glückliches Händchen.
    So, what’s next ?
    Liebe Grüße
    Frank

  3. i.looxs Designallerlei
    i.looxs Designallerlei

    Hallo Frank,
    vielen Dank für den tollen Tag mit dem BMW M2 und die Insights in Deinen Arbeitsalltag! Freu mich sehr, dass Dir mein Blog gefällt und bin schon sehr gespannt auf Dein „nächstes Baby“ 🙂
    Liebe Grüße,
    Lena

  4. Avatar
    Frank Isenberg

    Hallo Lena,
    toll, dass Du das Thema BMW M2 für Deinen ideenreichen und inspirierenden Bolg aufgegriffen hast.
    Mich freut besonders, dass „mein Baby“ so gut bei Dir als Designexpertin angekommen ist und Dich die „kleine Macho-Rakete“ auch aus fahrdynamischer Sicht begeistert.
    Nachdem Deine Themen recht vielfältig sind, bin ich schon auf das nächste posting gespannt. Mach weiter so.
    Liebe Grüße
    Frank

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